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Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK)

Schulgesundheitsfachkräfte: Qualifizierung für gesunde Schulen

Schulgesundheitsfachkräfte: Qualifizierung für gesunde Schulen

Politischer Rückhalt für die im interdisziplinären Memorandum geforderte flächendeckende Einführung von Schulgesundheitsfachkräften / Warum einheitliche Standards entscheidend sind.

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von rechts: Verabschiedung der Schulgesundheitsfahkräfte durch Angelika Rüther-Schwermer (Evangelische Hochschule Hessen) und Carmen Schulz (Geschäftsführerin Campus 3L)

Interdisziplinärer Fachtag zum aktuellen Stand der Schulgesundheitsfachkräfte

(Darmstadt, 15.06.2026) Gesundheit ist eine zentrale Voraussetzung für Bildungserfolg und soziale Teilhabe. Dennoch fehlt es in Deutschland bislang an einer strukturell verankerten gesundheitlichen Begleitung im schulischen Alltag. Schulgesundheitsfachkräfte schließen diese Lücke, indem sie bei akuten gesundheitlichen Problemen Erstversorgung leisten, chronisch kranke Schülerinnen und Schüler begleiten, Gesundheitskompetenz stärken und Prävention systematisch in den Schulalltag integrieren.

Dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, wird nicht nur fachlich, sondern inzwischen auch politisch deutlich artikuliert. Jüngste Initiativen im Deutschen Bundestag, wie etwa der kürzlich eingebrachte Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 21/6336), betonen die Notwendigkeit, insbesondere die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stärker in den Fokus zu rücken und niedrigschwellige Unterstützungsangebote in Schulen auszubauen. Die aktuellen politischen Impulse greifen damit eine seit Langem bestehende und inzwischen deutlich verschärfte Bedarfslage auf, die auch von zentralen Akteuren im Gesundheits- und Bildungsbereich klar benannt wird: So wird in dem am 1. Juni 2026 veröffentlichten Memorandum von Vertreterinnen und Vertretern aus Gesundheitswesen, Pflege sowie Eltern- und Schülerorganisationen unmissverständlich gefordert, Schulgesundheitsfachkräfte „flächendeckend, verbindlich und dauerhaft“ an allen Schulen zu etablieren und einen bundesweiten „Schulgesundheitspakt“ zwischen Bund und Ländern auf den Weg zu bringen.

Die Botschaft ist klar: Es geht nicht mehr um Modellprojekte, sondern um den systematischen Aufbau einer tragfähigen Versorgungsstruktur. Während Länder wie Schweden, Großbritannien oder Belgien längst über etablierte schulische Gesundheitsdienste verfügen, befindet sich Deutschland noch im Aufbau: Rund 150 Fachkräfte stehen mehr als 32.000 Schulen gegenüber – ein Missverhältnis, das den strukturellen Nachholbedarf deutlich macht.

Wirkung in ersten Studien klar erkennbar

Der vielseitige positive Einfluss von Schulgesundheitsfachkräften ist indes wissenschaftlich gut belegt: Bis zu 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler können nach einer Erstversorgung im Unterricht verbleiben, Fehlzeiten sinken und Notarzteinsätze werden deutlich reduziert. Gleichzeitig berichten Lehrkräfte von einer spürbaren Entlastung und einem verbesserten Sicherheitsgefühl im Schulalltag. Darüber hinaus tragen Schulgesundheitsfachkräfte zur Entwicklung nachhaltiger Gesundheitskompetenz bei. Diese steht in engem Zusammenhang mit Bildungsbeteiligung und langfristiger sozialer Teilhabe und schafft zugleich wesentliche Voraussetzungen für ein gesundheitsbewusstes Handeln im weiteren Lebensverlauf. Auch das Memorandum greift diese Zusammenhänge auf und beschreibt Schulgesundheitsfachkräfte als zentrale Akteure einer integrierten schulischen Gesundheitsversorgung.

Gesundheit und Bildung stehen in einem engen Wechselverhältnis“, erläutert Prof. Dr. Ulrike Manz, Studiengangsleiterin BA Lebensweltorientierte Gesundheitsförderung an der Evangelischen Hochschule Hessen. „Gute gesundheitliche Voraussetzungen fördern Lernprozesse und soziale Teilhabe; zugleich wird deutlich, dass beide Bereiche nur in ihrer strukturellen Verzahnung nachhaltig zur Chancengerechtigkeit beitragen können. Schulgesundheitsfachkräfte nehmen hierbei eine zentrale Rolle in der gesundheitsbezogenen Prävention, frühen Intervention und im Abbau von Bildungs- und Gesundheitsungleichheiten ein.

Fehlende Standards als zentrale Herausforderung

Trotz dieser Erkenntnisse bleibt die systemische Umsetzung in Deutschland fragmentiert. Modellprojekte, unterschiedliche Zuständigkeiten sowie uneinheitliche Anstellungsformen führen dazu, dass die Ausgestaltung der Schulgesundheitspflege erheblich variiert. Besonders problematisch ist das Fehlen einheitlicher Qualifikations- und Tätigkeitsstandards auf Bundesebene. Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit betont, Qualifikation, Aufgabenprofil und Rahmenbedingungen verbindlich zu regeln, um tragfähige und nachhaltige Strukturen zu etablieren. Hinzu kommt: Für Pflegefachpersonen ist das Handlungsfeld Schule in der Regel gänzlich neu – mit eigenen Strukturen, Abläufen und Zuständigkeiten sowie einem Austausch mit Berufsgruppen, der ihnen aus der pflegerischen Praxis so nicht vertraut ist. Umso wichtiger ist eine systematische Vorbereitung auf dieses Tätigkeitsfeld.

Ohne einheitliche Qualifikationsstandards besteht die Gefahr, dass Qualität und Handlungssicherheit allein vom individuellen Vorwissen und Selbstverständnis der jeweiligen Fachkraft abhängen. Ein professionelles Berufsbild braucht eine klare inhaltliche Profilierung und eine verlässliche, flächendeckende Anschlussfähigkeit im schulischen Versorgungssystem“, sagt Carmen Schulz, Geschäftsführerin von Campus 3L, dem Weiterbildungsinstitut der Evangelischen Hochschule Hessen.

Diese Forderung ist nicht nur fachlich, sondern auch politisch entscheidend: Ohne klare Standards bleibt der Ausbau zufällig und projektabhängig. Mit ihnen hingegen entsteht ein skalierbares, integrierbares Berufsbild, das langfristig im Bildungssystem verankert werden kann.

Campus 3L: Strukturierte Qualifizierung für ein komplexes Berufsbild

Vor diesem Hintergrund kommt der qualitätsgesicherten Weiterbildung eine Schlüsselrolle zu. Das Zertifikatsprogramm „Schulgesundheitsfachkraft“ bildet derzeit das einzige wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisorientierte Weiterbildungsangebot dieser Art in Deutschland. Der Kurs wird von Campus 3L in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Hochschule Hessen (EHH) durchgeführt und basiert auf einem von der AWO Potsdam herausgegebenen und evaluierten Curriculum. Er verbindet pflegefachliche, gesundheitswissenschaftliche, pädagogische und rechtliche Inhalte und bildet damit jene interprofessionelle Kompetenzbasis ab, die das Tätigkeitsfeld erfordert. Die Weiterbildung adressiert dabei zentrale Herausforderungen des Schulalltags – von akuten gesundheitlichen Situationen über Prävention und psychische Gesundheit bis hin zur Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Eltern und externen Versorgungssystemen. Wie sehr diese strukturierte Qualifizierung die Praxis stärkt, zeigt die Perspektive einer zertifizierten Absolventin:

Als Schulgesundheitsfachkraft erlebe ich jeden Tag, wie wichtig es für Kinder und Jugendliche ist, in der Schule einen geschützten Raum, ein offenes Ohr und professionelle Unterstützung zu haben. Ich wünsche mir, dass künftig noch mehr Schülerinnen und Schüler von diesem Angebot profitieren können und Schulgesundheitsfachkräfte als fester Bestandteil multiprofessioneller Teams an Schulen etabliert werden. Die Weiterbildung hat mir geholfen, meine praktische Arbeit wissenschaftlich zu untermauern und die Zusammenhänge zwischen Gesundheit, Prävention und Bildung noch bewusster zu verstehen“, sagt Wiebke Simon, SGFK an einer Integrierten Gesamtschule im Main-Taunus-Kreis.

Simone Wiebke-Foto Esther Webler
Berührende Worte von der Schulgesundheitsfachkraft Wiebke Simon

Ausblick: Professionalisierung als Voraussetzung für Ausbau

Die aktuellen politischen Signale, die Forderungen aus dem Memorandum und die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse weisen in dieselbe Richtung: Schulgesundheitsfachkräfte müssen vom Modellprojekt zur Regelleistung weiterentwickelt werden. Das Memorandum formuliert hierfür einen klaren politischen Fahrplan: von einem Schulgesundheitspakt über gesetzliche Anpassungen bis hin zum Aufbau von bis zu 10.000 Stellen bundesweit. Parallel dazu unterstreichen aktuelle parlamentarische Initiativen die Notwendigkeit, schulische Unterstützungsstrukturen, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit und Prävention, deutlich auszubauen. Die Einführung verbindlicher Qualifikations- und Qualitätsstandards ist dabei der entscheidende Hebel. Sie schafft die Voraussetzung für Verlässlichkeit, Skalierbarkeit und nachhaltige Finanzierung. Erst auf dieser Grundlage können Schulgesundheitsfachkräfte ihre Wirkung voll entfalten: als Schnittstelle zwischen Bildung und Gesundheit, als konstante Ansprechpersonen im Schulalltag und als Schlüsselakteure für mehr Chancengerechtigkeit.

Informationen zur Weiterbildung am Campus 3L

Das Zertifikatsprogramm „Schulgesundheitsfachkraft“ stellt derzeit ein in dieser Art einzigartiges, zentral organisiertes Qualifizierungsangebot für Schulgesundheitsfachkräfte in Deutschland dar. Er trägt zur Standardisierung fachlicher Kompetenzen bei und unterstützt die Professionalisierung des Tätigkeitsfeldes an der Schnittstelle von Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe. Der Lehrgang wird seit 2017 an der Evangelischen Hochschule Hessen (EHH) angeboten. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei Lehrenden der Hochschule, die organisatorische Umsetzung erfolgt durch Campus 3L als Weiterbildungsinstitut der EHH.

Aufbau und Inhalte

Die Weiterbildung basiert auf einem wissenschaftlich evaluierten Curriculum und ist in drei aufeinander aufbauende Module gegliedert:

Modul 1 – Schule als pflegerisches Handlungsfeld

Einführung in das Tätigkeitsfeld, rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen sowie medizinisch-pflegerische Grundlagen. Schwerpunkte liegen auf Akutversorgung sowie dem Umgang mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen im Schulalltag.

Modul 2Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
Vermittlung von entwicklungspsychologischen Grundlagen, Risiko- und Schutzfaktoren sowie Kompetenzen in Gesprächsführung, Beratung, Deeskalation und multiprofessioneller Zusammenarbeit.

Modul 3 – Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule

Planung und Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen, Netzwerkarbeit sowie Qualitätssicherung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit.

Abschluss und Umfang
Abschluss: Certificate of Advanced Studies (CAS), 18 ECTS-Punkte
Gesamtumfang: 640 Unterrichtseinheiten
davon 464 Kontaktstudium
sowie 176 Selbststudium
Format: berufsbegleitend, überwiegend online mit ergänzenden Präsenzphasen
Durchführungsort (Präsenz): Darmstadt
Zielgruppe

Die Weiterbildung richtet sich an Pflegefachpersonen sowie Gesundheitsfachkräfte, die im schulischen oder schulnahen Bereich tätig sind oder eine entsprechende Tätigkeit anstreben.

Termine 2027:

Nächster Start Frühjahr 2027

Ansprechpartnerinnen

Evangelische Hochschule Darmstadt
Prof. Dr. Ulrike Manz
Fachbereich Inklusive Bildung und Gesundheit
Studiengangsleitung BA Lebensweltorientierte Gesundheitsförderung
Zweifalltorweg 12
64293 Darmstadt
E-Mail: ulrike.manz@eh-darmstadt.de

 

Campus 3L gGmbH
Carmen Schulz
Dipl.-Betriebswirtin
Weiterbildung der Evangelischen Hochschule Darmstadt
Zweifalltorweg 12
64293 Darmstadt
Telefon: +49 (0)6151 8610050
E-Mail: carmen.schulz@campus-LLL.de
Website: www.campus-LLL.de

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