Vom Modellprojekt zur Regelversorgung: Schulgesundheitsfachkräfte als Schlüssel für Prävention und Chancengleichheit
Darmstadt, 23.01.2026. In diesen Tagen rückt das Thema Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) erneut ins Zentrum der bildungs- und gesundheitspolitischen Debatte. Im Rahmen des dritten bundesweiten Fachtags „Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK): Für mehr Gesundheit, Bildung und Chancengleichheit“ an der Evangelischen Hochschule Darmstadt (EHD) beleuchteten kürzlich über 100 Expertinnen aus Wissenschaft, Politik und Praxis den aktuellen Status des noch jungen Berufsbildes – darunter Referent:innen der European Union for School and University Health and Medicine (EUSUHM), der WHO Europe, des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V., des Deutschen Pflegerats wie auch der Landeschüler*innenvertretung und des Landeselternbeirats Hessen. Dabei wurde einmal mehr deutlich: Trotz wichtiger Fortschritte, die seit dem Start der ersten Modellprojekte an öffentlichen Schulen erzielt wurden, besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf. Dabei im Mittelpunkt: die Fragen nach bundesweiten Strukturen, klaren Zuständigkeiten und einer gesicherten Finanzierung.
Interdisziplinärer Fachtag zum aktuellen Stand der Schulgesundheitsfachkräfte
Schulgesundheitsfachkräfte sind weit mehr als ein „Nice-to-have-Angebot“ am Rande der schulischen Organisation. Das wurde im Rahmen der dritten SGFK-Fachtagung an der EHD eindrücklich klar. Ihr Aufgabenfeld ist ebenso anspruchsvoll wie vielseitig – und der Bedarf größer denn je. Angesichts wachsender Herausforderungen durch chronische Erkrankungen, psychische Belastungen und soziale Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen kann der gesamtgesellschaftliche Wert von Schulgesundheitsfachkräften kaum hoch genug eingeschätzt werden. Doch während in Ländern wie Irland, Dänemark oder Großbritannien spezialisierte schulische Gesundheitsdienste seit Jahren fest etabliert sind, besteht in Deutschland nach wie vor Entwicklungsbedarf. Immerhin: Die Bedeutung von Schulgesundheitsfachkräften für die Gesundheitsförderung, Bildungsgerechtigkeit, und soziale Teilhabe dringt mehr und mehr ins öffentliche Bewusstsein.
„Wir stehen nicht mehr am Anfang. Das Thema Schulgesundheitsfachkräfte verlässt die Ebene der Modellprojekte und bewegt sich in Richtung regulärer Implementierung,“ erläuterte Prof. Dr. Ulrike Manz, Leiterin der Weiterbildung Schulgesundheitsfachkraft an der EHD.
Verbindliche Standards als Grundlage nachhaltiger Implementierung
Gleichzeitig wird im Rahmen der aktuellen Diskussion sichtbar, „dass eine flächendeckende Einführung von Schulgesundheitsfachkräften nur gelingen kann, wenn Qualitätsstandards verbindlich definiert und Finanzierungspfade dauerhaft gesichert werden,“ so Ute Schmazinski vom Ministerium für Bildung Rheinland Pfalz. Sie verwies darauf, dass ohne klare Standards und stabile Ressourcen keine nachhaltige Strukturentwicklung möglich ist. Diese strukturellen Voraussetzungen sind jedoch nur eine Seite der Entwicklung. Ebenso entscheidend ist der Blick auf die konkrete Wirkung, die Schulgesundheitsfachkräfte bereits heute in der Praxis entfalten. Denn jenseits der politischen und finanziellen Rahmenbedingungen zeigt sich im schulischen Alltag deutlich, welchen Mehrwert diese Profession für Kinder, Eltern und Lehrkräfte bietet. Schulgesundheitsfachkräfte entlasten nicht nur pädagogisches Personal und medizinische Versorgungssysteme, sondern verhindern durch frühzeitige Interventionen auch Folgekosten, die durch Fehlzeiten, Notarzteinsätze oder unnötige Arztbesuche entstehen. Ihre Arbeit hat damit einen weitreichenden pädagogischen, gesundheitlichen – und nicht zuletzt auch ökonomischen Einfluss.
Ein Resümee:
Der dritte SGFK-Fachtag hat ein eindrückliches Bild davon gezeichnet, dass Schulgesundheitsfachkräfte ein unverzichtbares Bindeglied zwischen Bildungs- und Gesundheitssystem sind. Ihre Arbeit verbessert nicht nur die gesundheitliche Versorgung im schulischen Alltag, sondern stabilisiert auch Lernprozesse, reduziert Fehlzeiten und stärkt Prävention als strukturelles Prinzip. Deutlich wurde zudem, dass die bisherigen Modellregionen wertvolle Erkenntnisse für eine bundesweite Implementierung liefern – insbesondere hinsichtlich Qualifizierung, Kooperation und Wirksamkeit. Die Diskussionen machten klar, dass eine nachhaltige Verankerung nur mit verbindlichen Qualitätsstandards und gesicherter Finanzierung gelingen kann. Nun gilt es, diese Entwicklungen konsequent weiterzuführen und Schulgesundheitsfachkräfte als festen Bestandteil moderner Bildungsinfrastruktur bundesweit zu etablieren.
Ansprechpartnerinnen
Prof. Dr. Ulrike Manz
Fachbereich Inklusive Bildung und Gesundheit
Studiengangsleitung BA Lebensweltorientierte Gesundheitsförderung
Zweifalltorweg 12
64293 Darmstadt
E-Mail: ulrike.manz@eh-darmstadt.de
Campus 3L gGmbH
Carmen Schulz
Dipl.-Betriebswirtin
Weiterbildung der Evangelischen Hochschule Darmstadt
Zweifalltorweg 12
64293 Darmstadt
Telefon: +49 (0)6151 8610053
E-Mail: carmen.schulz@campus-LLL.de
Website: www.campus-LLL.de
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